(ch) Check-in, check-out auch bei der SBB13.12.2019

Mit der SBB Mobile-App können jetzt Fahrkarten nicht nur auf die herkömmliche Art (Kauf einer Fahrkarte vor der Reise) erworben werden, sondern auch nach dem "CIACO"-Prinzip: Check-in, assisted check-out. Die SBB hat dazu im Vorfeld am Testversuch des öffentlichen Verkehrs teilgenommen und hat jetzt seit Mitte November die neue Möglichkeit auch beworben. Bei der SBB heisst das Angebot "EasyRide" - fast 20 Jahre nach ersten Versuchen für elektronisches Ticketing mit Check-in-check-out-Funktionalität unter dem gleichen Namen!


"EasyRide" basiert auf dem von FAIRTIQ entwickelten System, das im April 2016 auf den Markt kam und das seither in verschiedenen Verbünden lokal genutzt werden konnte und auch schon einige Anwendungen ausserhalb der Schweiz gefunden hat. Mit dem Feldtest konnte jetzt auch gezeigt werden, dass es auch verbundübergreifend auf dem ganzen GA-Bereich der Schweiz funktioniert. Bereits vor der offiziellen Vorstellung des Angebots haben sich mehr als 10'000 SBB Mobile-App-Nutzer für "EasyRide" registriert und es wurden damit mehr als 50'000 Fahrten unternommen. Die öV-Branche hat deshalb die definitive Einführung im September 2019 beschlossen.

Funktionsweise

Wer EasyRide nutzen will, muss zuerst die Funktion in der SBB Mobile-App aktivieren. Dabei werden die SwissPass-Personendaten und Zahlungsdaten hinterlegt.

Anschliessend ist jeweils beim Reiseantritt vor Abfahrt des Verkehrsmittels in der SBB Mobile-App unter der EasyRide-Kachel der Start-Knopf nach rechts zu wischen (einchecken). Das Einchecken wird anschliessend bestätigt und man ist dann grundsätzlich auf dem Generalabonnementsbereich reiseberechtigt. Ab Einchecken muss immer die Ortungsfunktion eingeschaltet bleiben. Zudem wertet die App die Aktivitätsdaten/Bewegungssensoren aus, um damit z.B. Umsteigen zu erkennen. Ebenso werden diese Daten auch dazu genutzt um auf allfälliges vergessenes Auschecken hinzuweisen ("assisted check-out") - dazu muss es der App jedoch die Benachrichtigungserlaubnis gewährt werden. Am Ende der Fahrt ist dann der Stop-Knopf nach links zu wischen (auschecken). Aufgrund der Funktionsweise der Preisberechnung von EasyRide kann auch bei jedem Umsteigen aus- und wieder eingecheckt werden: Für alle Fahrten an einem Tag (bis Betriebsschluss) wird jeweils der beste Preis eruiert. Im Extremfall ist das der Preis einer Tageskarte für die ganze Schweiz. Es kann aber auch z.B. die Tageskarte eines Verkehrsverbunds sein oder eine Kombination aus Verbund- und Streckenbillett sein. Bei der Preisberechnung werden vorhandene und auf dem SwissPass hinterlegte Halbtax- und Verbundabonnemente angerechnet. In Verbindung mit Verbundabonnementen werden für die EasyRide-Preisberechnung auch Anschlussbillette berücksichtigt.

Die Kombination mit 9-Uhr-Pässen, 9-Uhr-Abos, Lokalnetz-Abos, seven25, Strecken-Abos, Ausflugs-Abos oder Bündner GA ist jedoch nicht möglich. Selbstverständlich werden aufgrund der ganz anderen Bedingungen bei der Nutzung von EasyRide keine Spartageskarten, Spartickets oder generell zuggebundene resp. Vorverkaufs-Angebote berücksichtigt.

Klassenwechsel, Velobillette oder Reservationen sind separat zu erwerben. EasyRide kann zudem aktuell nur für den am Mobiltelefon eingeloggten Nutzer verwendet werden - Mitreisende müssen entweder selber EasyRide nutzen oder ein anderes Ticket kaufen.

Kurz nach dem Auschecken wird jeweils der (bisher aktuelle) Fahrpreis angezeigt, der definitive Preis wird jedoch erst nach Betriebsschluss bestimmt und mitgeteilt.

Bildschirmfotos von EasyRide aus der SBB Mobile-App
Bildschirmfotos (Quelle: SBB) der EasyRide-Anwendung: Links: Nach dem Einchecken (wischen nach rechts) ist der rote Stop-Knopf bereit zum Auschecken. Tippen auf das kleine QR-Code-Symbol für zu einer Anzeige entsprechend dem rechten Bild. Dort wird der Zeitpunkt des erstmaligen Eincheckens am Reisetag, die bisherige Reisezeit seit dem letzten Einchecken, sowie der QR-Code zur Kontrolle durch das Zugpersonal angezeigt.

In den Hilfestellungen zur Nutzung von EasyRide gehen die SBB auch auf Rundfahrten (Start- und Ziel am gleichen Ort, ohne dass beim Umsteigen die Station verlassen wird) ein: Sie sind mit EasyRide grundsätzlich auch möglich - dann muss jedoch beim Umsteigen jeweils ein- und wieder ausgecheckt werden. Weshalb dies nötig ist, wenn doch der Fahrweg auch aufgezeichnet wird, ist nicht erläutert. Ebenso ist nicht angegeben, wie Rundfahrten ohne Umsteigen mit EasyRide möglich sind. Solche Rundfahrten sind in der Schweiz auf dem GA-Netz mit Schiffen oder mit dem Ringzug der SOB (St. Gallen - Rorschach - Sargans - Uznach - St. Gallen oder umgekehrt) möglich.


Grundsätzlich ist bei Nutzung von EasyRide der Nutzer dafür verantwortlich, dass sein Mobiltelefon während der ganzen Fahrt mit Strom versorgt ist und Daten senden und empfangen kann (ca. 1 MB pro Stunde). Ebenso ist der Nutzer für das Auschecken verantwortlich - die Benachrichtigung beim Vergessen ist nur eine Hilfestellung und die korrekte Warnung wird nicht garantiert. Wer mit EasyRide unterwegs ist, ist auch verantwortlich, dass er überhaupt lokalisiert einchecken kann. Bei gewissen unterirdischen Stationen ist dies nicht unbedingt gewährleistet. In einem solchen Fall muss ein Ticket über einen anderen Vertriebsweg gekauft werden oder das Einchecken in Stationsnähe vor dem "Abtauchen" in den Untergrund getätigt werden.


Beim Nachtzuschlag für den Grossraum Zürich (ZVV, A-Welle, Ostwind, Tarifverbund Zug, Tarifverbund Schwyz, Z-Pass sowie Nachtzüge Zürich–Luzern) funktioniert EasyRide anders als das restliche Fahrausweis-Sortiment: Wird in den EasyRide-Einstellungen der Nachtzuschlag nicht abgewählt, so wird dieser mit EasyRide bei entsprechenden Fahrten automatisch in die Preisberechnung aufgenommen. Bei allen anderen Angeboten muss der Nachtzuschlag separat gelöst werden.


Als Zahlungsmittel für EasyRide können folgende genutzt werden: Visa, MasterCard, American Express, PostFinance Card, TWINT, Reka Card (und zu einem späteren Zeitpunkt sollen auch Diners Club und MyOne genutzt werden können). Es ist aber auch möglich, für die mit EasyRide getätigten Fahrten eine Monatsrechnung zu erhalten.

Datenschutz

Die im Zusammenhang mit der Nutzung von EasyRide anfallenden Reisedaten werden von FAIRTIQ erfasst und für die Funktionalität von EasyRide bearbeitet. Sie werden während 12 Monaten aufbewahrt - für Kundendienstleistungen aber auch zur Missbrauchsbekämpfung. Anschliessend werden die Daten anonymisiert. Es werden keine Personen zuordnungsbare Mobilitätsprofile erstellt. Die Daten der Nutzung von EasyRide werden nur von FAIRTIQ und SBB genutzt und werden zu keinem Zeitpunkt an Dritte weitergegeben. Die Datenaufbewahrung erfolgt nach den schweizerischen Datenschutzbestimmungen.

Die Anfänge von EasyRide

Unter dem Namen EasyRide wurden in der Schweiz bereits Ende 2000 (in Genf) und Anfangs 2001 (in Basel) jeweils auf wenigen Linien resp. in wenigen Fahrzeugen Versuche mit einem "Check-in - check-out"-System für den öffentlichen Verkehr durchgeführt. Die damalige Idee von EasyRide basierte noch auf der umgekehrten Variante des Informationsträgers der Reiseroute: Die Reisenden hätten eine individuelle elektronische öV-Karte zur Identifikation erhalten. An jeder Türe der Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs waren Kartenleser vorgesehen, die diese Karten beim Passieren des Reisenden lesen und auf dem Bordcomputer des Fahrzeugs mittels GPS den Ein- oder Ausstiegsort registrieren. Die Daten der Fahrzeuge wurden dann zusammengeführt und für die einzelnen Reisenden die Reiseroute und daraus abgeleitet der Fahrpreis bestimmt. Auch damals war die "Bestpreis-Garantie" Teil des Angebots. Für die Bezahlung waren Monatsrechnungen vorgesehen. Die hohen Kosten der Fahrzeugausstattung für ein solches System haben aber insbesondere die kleineren öV-Anbieter und die Nahverkehrsbetriebe davon abgehalten, bei einem solchen System mitzumachen. Damit war die Idee eines Tickets für die ganze Schweiz aber nicht mehr umzusetzen. Mit dem jetzigen System sind diese Ausrüstungskosten zum Reisenden verschoben worden - der "ohnehin" ein Mobiltelefon besitzt. Und auch auf der Kontrollseite braucht es mittlerweile kein neues Gerät mehr - QR-Code-Lesen ist seit den MobileTickets Standard.