(ch) Einheimischentarif fällt auch bei Matterhorn Gotthard Bahn weg26.10.2019

Für Fahrten auf der Strecke zwischen Visp und Zermatt hat die Matterhorn Gotthard Bahn für Einheimische mit einem entsprechenden Ausweis bisher immer noch Fahrkarten zum Spezialpreis ausgegeben - was gemäss dem Bundesgesetz über die Personenbeförderung jedoch nicht zulässig ist. Nach Intervention des Bundesamts für Verkehr (BAV) fällt der Einheimischentarif zum kommenden Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 nun weg und wird durch eine preisreduzierte, personalisierte, jedoch für jedermann erhältliche Mehrfahrtenkarte ersetzt.

Kurze Geschichte des T612

Der Einheimischentarif - in den Tarifen als T612 bezeichnet - wurde 1959 bei den Verkehrsunternehmen der Bergregionen (Privatbahnen, Postautos, Busse, Seilbahnen) eingeführt. Die ursprüngliche Begründung für die ermässigten Tarife waren die höheren Bau- und Betriebskosten der Privatbahnen in den Bergregionen. Diese Bahnen mussten daher deutlich höhere Tarife verlangen, als die SBB. Einheimische konnten dann mit der T612-Vergünstigung in ihrer Region etwa zu gleichen finanziellen Bedingungen reisen, wie wenn sie in einem von den SBB erschlossenen Gebiet leben würden. Die Ermässigung wurde den Unternehmen vom Bund vergütet.

Der Einheimischentarif wurde in den Jahren 1998//99 aufgehoben, da seither der Regionalverkehr durch die Kantone zu bestellen und die Deckungsbeträge zu bezahlen sind. Die Aufhebung des T612 war aber im Prinzip noch kein Verbot für eine Einheimischen-Ermässigung. Bereits seit der ersten Fassung des "Bundesgesetz über die Personenbeförderung" (Personenbeförderungsgesetz, PBG, 745.1) vom 20. März 2009 steht jedoch im Absatz 5 von Artkel 15 Tarifpflicht: "Die Tarife müssen gegenüber allen gleich angewendet werden. Sie sind zu veröffentlichen." Bei der Matterhorn Gotthard Bahn dauerte es jetzt 10 Jahre, bis diese gesetzlich geforderte Gleichbehandlung aller Reisenden auch durchgesetzt wurde.

Die Ersatzlösung

Die Ersatzlösung der Matterhorn Gotthard Bahn wurde vom BAV als gesetzeskonform beurteilt und bewilligt. Sie führt in der Schweiz zu einem neuen Typ Fahrkarte: Die personalisierte Mehrfahrtenkarte (pMFK). Diese Karte gewährt 6 einfache Fahrten, die innerhalb von drei Jahren absolviert werden müssen. Durch die Personalisierung sind die Einheimischen gleichwohl wieder eher im Vorteil: Sie befahren tendenziell eher und öfter diese lokalen Strecken, während auswärtige Reisende je nach Distanz ohnehin mit Tageskarten reisen oder sonst durch die Stückelung der Reise einen Teil des Distanzrabatts verlieren.

Die personalisierte Mehrfahrtenkarte wird ab 15. Dezember 2019 über Verkaufsschalter und Billettautomaten verkauft. Für die Strecke Visp-Zermatt wird die personalisierte Mehrfahrtenkarte CHF 111 kosten (CHF 18.50 pro einfache Fahrt). Einheimische mit Ausweis bezahlten bisher CHF 18.60 und der Normaltarif beträgt CHF 37.00. (Alle Preise für Vollzahler, das Halbtax-Abonnement gewährt auch für die pMFK 50 % Ermässigung.)

Einheimischenbillett
Billett aus der Zeit, als der Einheimischentarif noch reguläres Angebot des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz und die Fahrkarten noch Kartonbillette im Edmondsonschen Format waren. Retourfahrt zwischen Visp und Zermatt zum vollen Preis für Einheimische. Nebst dem Aufdruck "Einheimische" kennzeichnet auch die vertikale blaue Linie den Sondertarif Einheimische. 1984 kostete die Retourfahrt noch weniger als heute die einfache Fahrt.